This choice: Ja, ich kann sie nicht aufhalten und muss mit, Victor kommt ja gleich wieder. | Go Back Chapter 40: Jungfernflug (ID #614505) an addition by: yarrek ![View yarrek's Portfolio. [Offline / Private]](http://images.Writing.Com/imgs/writing.com/writers/costumicons/ps-icon-regular-10.gif) More by this author So aufgeregt und entschlossen wie sie gerade ist, kann ich sie sowieso nicht am Boden festhalten, dachte Nain nüchtern und entschloss sich gleich Susan hinterher zu fliegen, um aufzupassen dass sie nicht abstürzte oder gegen irgendetwas flog.
Ein aufgeregtes und erwartungsvolles Kribbeln wanderte durch seinen Körper, bei dem Gedanken endlich „wirklich“ zu fliegen...
Er breitete seinen großen Bürzel mit den braun-weißen Federmuster aus und öffnete seine Adlerschwingen ein wenig. Nain konnte durch seine Kopfbefiederung genau fühlen, aus welcher Richtung und wie Stark der Wind kam. Gedanklich war er schon beim abheben als er seinen Kopf neugierig zu seiner Freundin drehte. Hatte die es nicht gerade noch eilig gehabt so schnell wie möglich in die Luft zu kommen?
Susan hatte ihre großen Rabenschwingen schon halb geöffnet und wollte gerade einen Startversuch wagen, als sie plötzlich innehielt. Sie drehte ihren Kopf weit nach hinten und sah nervös zu Jessa, die mit ihrem „Adoptivkind“ fest an der Brust gepresst ängstlich dastand und beunruhigt die Startvorbereitungen ihrer Freunde beobachtete.
Ich kann doch dieses arme Ding nicht einfach so dastehen lassen, dachte Susan traurig, seufzte schuldbewusst und eilte mit leicht sprunghaften Schritten zu ihrer großen Wanderdrosselfreundin.
Hastig und in entschuldigendem Tonfall sagte sie zu ihr „Tut mir Leid dass ich jetzt so Hals über Kopf wegfliege, aber meine Eltern sind gleich daheim und ich muss noch alles ein wenig vorbereiten...“
Ungeduldig scharrte sie mit ihrer Rabenklaue den Waldboden auf. „Also, ich denk mal Victor kommt sicher bald wieder... Wir werden uns ja auch bald wieder sehen, also bis später!“
Damit umarmte sie ihre Freundin kurz, und war wieder einmal erstaunt wie seltsam und fremd diese alltäglichen Gesten sich als „Tiermensch“ anfühlten. Sie umschloss ja regelrecht Jessa mit ihren Rabenschwingen, die jetzt verständnisvoll mit ihrem Schnabel durch ihre Haare kratzte.
„Wir beide werden dir die Flügel drücken dass das gut ausgeht mit dir und deinen Eltern!“, zwitscherte Jessa und sah dabei fürsorglich auf ihren Kleinen. Die Freundinnen lösten sich voneinander und als sich die Rabin abwandte um zum Start anzusetzen sagte sie „Danke! Und denk’ dir doch mal einen Namen für dein ’Adoptivkind’ aus!“
Die Lichtung hier ist um einiges kleiner als unser Garten, ich muss so schnell es geht abheben und mich in die Luft schrauben..., dachte Susan konzentriert während sie ihre Schwingen und den Bürzel öffnete. Na, dann mal los!
Sie nahm nur zwei „hüpfer“ Anlauf und stieß sich dann kraftvoll vom Boden ab, schnell und kräftig mit den Flügeln schlagend.
Kaum hatte sie ein wenig an Höhe gewonnen, drehte die Rabin eine steile Spirale in die Höhe, haarscharf an den Ästen der umstehenden Bäume vorbei. Berauscht von dem Gefühl zu fliegen sauste Susan in die Höhe. Es war einfach unglaublich, diese Schwerelosigkeit und Freiheit! Wie der Wind entlang ihres langen Schnabels über ihren ganzen Körper strich und ihre Federn sanft kitzelte...
Als Susan genug Höhenabstand zwischen sich und den Baumwipfeln erflattert hatte, drehte sie einen weiten Kreis um die Lichtung um nach der Farm von Victor’s Onkel ausschau zu halten, ihrem ersten Orientierungspunkt auf dem Flug nach Hause.
Trotz des unendlichen Glücksgefühls und dem Drang, mit dem Wind zu spielen und zu tanzen, hatte sie nicht vergessen warum sie so eilig in die Luft gewollt hatte...
Aber ein wenig Spaß werde ich mir schon gönnen, kicherte Susan innerlich und ließ einen kräftigen fröhlichen Rabenschrei ertönen. Das hier verdrängte die Strapazen des letzten Tages komplett!
Plötzlich rauschte ein braun-weißer Pfeil an ihr vorbei und sie hörte Nain’s Adlerstimme begeistert kreischen.
„Nain? Hast du es auch endlich in die Luft geschafft?“, lachte Susan laut und überglücklich.
Nain lehnte sich ein wenig zurück um sich ein wenig zurück fallen zu lassen um auf gleicher Höhe mit seiner Freundin zu sein. „Natürlich, als dein liebender Freund muss ich doch aufpassen dass du gegen nichts fliegst, oder?“
„Das sagt der Richtige! Pass bloß auf dass es deine Bermuda nicht wegweht!“
Sie waren jetzt schon sicher seit einer halben Stude in der Luft, drehten Spiralen oder Pyroetten und flogen in die ungefähre Richtung von Susan’s Haus.
Nain hatte während eines gewagten Tiefflugs, der beinahe mit einem Absturz geendet wäre, einen alten Lederball von einem verlassen Spielplatz mit seinen Adlerkrallen gepackt und war damit wieder in die Höhe gestiegen.
Jetzt warfen sie den Ball immer zwischen sich hin und her, fingen ihn immer wieder mit ihren Kralle und versuchten sich so ihrer „Flugsteuerung“ vertrauter zu machen. Außerdem machte es ihnen einen Höllenspaß, und sie entdeckten schnell ihre Stärken und Schwächen beim fliegen.
Susan war eindeutig wendiger und flinker als Nain, sie konnte sich ohne Mühe schnell um ihre eigene Achse drehen um den Ball leichter fangen zu können oder ihre Flugrichtung ändern. Nain war dafür der eindeutig bessere Gleiter, er musste nur ab und zu ein wenig mit den Flügeln schlagen um durch die Lüfte zu fliegen, während Susan regelmäßig mit ihren Schwingen schlagen musste.
Außerdem war er der geborene „Sturzflieger“, regelmäßig ließ er den Ball weit nach unten fallen, um dann seine Flügel ein wenig zusammen zu klappen und dem rundem Stück Leder hinterher zu tauchen. Zwar sahen seine Sturzflüge noch ungeübt und manchmal auch etwas hilflos aus, aber er wurde immer besser und immer gewagter (... und Susans Sorge bei jedem seiner Aktionen größer...). Er liebte es wie der Wind noch schneller um ihn herum zischte, wie sein Ziel immer näher kam, wie das Adrenalin in ihm stieg je näher er dem Boden kam, wenn er im letzten Moment die Flügel wieder aufschlug, seine Beute fest mit den scharfen Krallen umschlossen...
Sie flogen gerade eine der unzähligen Landstraßen entlang, als Nain nach einem seiner Sturzflüge wieder in die Höhe stieg und Susan dabei den Ball zuwarf. Sie fing ihn geschickt und warf ihn gleich wieder zurück, wild mit den Flügeln flatternd. Dabei schweifte ihr Blick auf die Straße unter ihnen, auf der nichts außergewöhnliches fuhr, es war ja auch eine Straße die nach Maple Valley führte, nur ein silberner Fort auf dessen Motorhaube die Schemen eines Vogels zu sehen waren...
Moment, war das nicht...? Erschrocken stieß Susan einen lauten Krächzer aus. Das war das Auto ihrer Eltern! Oh Gott, hätten wir uns doch ein wenig mehr beeilt, was mach ich jetzt nur?! Sie kommen nach Hause, sehen dass die Vögel nicht gefüttert worden sind, ein paar Bluttropfen auf dem Boden, die Tür nicht abgesperrt und die Tochter nicht da... Scheiße, scheiße, scheiße!
Susan spürte den Lederball gegen ihre Klauen prallen und dann nach unten fallen.
„Hey, den holst jetzt aber du!“, beschwerte sich Nain im vorbeifliegen, und als sie nichts sagte, flog er auf ungefähre gleiche höhe und fragte er ein wenig besorgt „Spätzchen, ist irgendetwas?“
Susan wachte aus ihrem entsetzten Gedankenstrom auf und begann stärker mit den Flügeln zu schlagen um schneller voranzukommen. „Das Auto da unten gehört meinen Eltern, ich muss mich beeilen ich will nicht als zweiter ankommen dass meine Eltern vor einem verlassenem Haus stehen und...“
„Wenn wir schneller fliegen könnten als ein Auto...“, kreischte Nain zweifelnd, um den Wind zu übertönen.
„Wir nehmen doch die Luftlinie, mein Spatz.“
„Wenn du ohne die Straßen weist wohin wir fliegen müssen... Und zwar so dass wir schneller sind als deine Eltern mit dem Auto...“
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