This choice: (Die ärztliche Untersuchung) | Go Back Chapter 52: Die Handvoll Mensch (ID #881044) an addition by: yarrek ![View yarrek's Portfolio. [Offline / Private]](http://images.Writing.Com/imgs/writing.com/writers/costumicons/ps-icon-regular-10.gif) More by this author (Ein Kapitel von Terralux, das Ende ist von mir :P)
Ein kleines Schild wies darauf hin, dass die Medizinische Abteilung vor ihnen lag. Kurz flammten Gedankenbilder vom röntgen und endlosem Vermessen in Susans Gedanken auf. Nain dagegen dachte an eine Musterung vom Militär. Schon oft hatte er davon gehört. „Meinst du, sie machen den EKG bei mir?“, raunte er Susan zu.
„Keine Ahnung, wahrscheinlich werden sie das dann bei uns beiden messen.“, meinte sie mit leisem Krächzen.
„Das glaube ich kaum, ich meinte gerade den ‚Eier-Kontroll-Griff’.“, erklärte Nain unauffällig, während Susans Augen kurz aufblitzen und sich ein Lächeln um ihre Backenfedern ausbreitete.
„Ich werde sie bestimmt nicht an meine Geschlechtsteile lassen.“, sagte sie bestimmt. „Da haben die nichts verloren. Die sind gut so, wie sie sind.“
Nain öffnete den Schnabel kurz, erwiderte aber nichts. Kurz darauf wurden sie hereingerufen.
Allzu lange waren sie nicht darin, als man ein spitzes Krächzen durch die Gänge vernehmen könnte und ein helles Klatschen, untermalt von Federrascheln. Ein paar Mitarbeiter lächelten.
„Er kann es einfach nicht lassen.“, hieß es hier und da, während eine aufgeplusterte Federkugel wütend durch die Gänge tapste, hier und da abbog, wieder zurück stapfte und endlich einen Weg in die Mensa fand.
Nicht, dass Susan sie gesucht hätte, aber so ein Raum kam ihr gerade recht. Wie eine große, schwarze Kugel aus Federn saß sie da und vergrub ihren Schnabel hinter den großen Schwingen. Tief atmete sie durch und versuchte sich zu beruhigen.
Vorsichtig legte sich eine Hand auf die Federn, die sie unwirsch abschüttelte und aggressiv krächzte. Derzeit war sie womöglich in der Lage mit ihrem kräftigen Schnabel nach jemanden zu schnappen, oder ihn zu kratzen. Erst recht, wenn derjenige einen weißen Mantel trug.
Sie merkte, wie sich jemand in ihre Nähe setzte. Wer auch immer es sein mochte, derzeit war es ihr egal.
„Susan? Was ist los?“, fragte eine bekannte, leicht rauhe Stimme vorsichtig. Einen schwachen, russischen Akzent konnte sie nicht verbergen. Überrascht hielt Susan ein wenig inne, wobei ihre Federn sich wieder ein wenig legten.
„Komm schon, Susan, red mit mir… bestimmt kann ich dir helfen.“, versuchte es Victor erneut. Auch wenn Susan sich jetzt ein wenig für ihre Wut schämte, sie kam doch nicht an Victors Gutmütigkeit vorbei. Langsam öffnete sie ihren Federumhang um sich und holte noch einmal mit einem tiefen Atemzug Luft.
„Doktor Zoidhill, oder?“, riet er mit halbem Wissen.
Susan sah in das Gesicht, welches dem eines Fuchses aufs Haar glich. Sie musste sich immer noch daran gewöhnen, dass Victor auch ein tierisches Gesicht hatte. Dann nickte sie langsam.
„Du solltest dir nichts daraus machen. Er meint es nur gut… meistens zumindest. Glaube ich. Jedenfalls hat er noch niemanden wirklich belästigt. Ich denke er macht das wirklich nur im guten Glauben an die Wissenschaft.“, versuchte er Susan zu beruhigen.
„Das war die eine Hälfte… ich habe ihm dafür eine gescheuert.“, erklärte Susan und starrte auf ihre Schnabelspitze.
„Er dürfte das wegstecken, es war nicht das erste Mal, aber er gibt in der Hinsicht einfach nicht auf, weißt du? Es ist sein Traum, dass niemand hier Probleme hat und dazu will er wirklich alles von den Neulingen wissen, ehe sie doch Probleme haben, von denen niemand weiß und diese lange mit sich herumschleppen.“, erklärte er mit einem sanften Ausdruck in den Bernsteinaugen.
„Vielleicht… aber dann hat er auch von der ‚Handvoll Mensch’ gesprochen…“, brachte Susan hervor.
„Was für eine Handvoll Mensch?“, fragte er neugierig.
„Du hast keine Ahnung von der Vogelanatomie, oder?“ Susan sah ihn eindringlich an, konnte aber nur sehen, dass er wirklich keine Ahnung hatte.
„Vögel haben keine Genitalien, nur eine Kloake, wo wirklich alles durch kommt.“, erklärte sie dann.
„Ohhh…“, machte Victor. „Also hast du…?“
„Frag gar nicht erst weiter, die ‚Handvoll Mensch’ habe ich. Aber wie er davon sprach, so…“
„… Distanziert?“, schloss der Fuchs. „Jaa, das ist unser Zoidhill, er sorgt sich um seine Patienten, aber das Taktgefühl hat er in der Uni bei der Wissenschaft gelassen. Manchmal möchte man ihn fast bedauern.“
„Du scheinst da ja keine Probleme zu haben.“ Susan sah in die immer noch helle Miene von Victor.
„Sagen wir es so, ich habe mich an ihn gewöhnt. Trink einfach einen Tee mit ihm, dann wirst du ihn wohl auch verstehen… Ich meine einen normalen Tee.“ Susans ungläubiger Blick wurde wieder normal. „Aber jetzt reg dich mal wieder ab, es ist ja nicht so, dass er dich wirklich belästigt hat, oder?“
„Nein… eigentlich nicht...“
Seine Lefzen verzogen sich zu einem sanften Lächeln. „Also. Aber ich denk du könntest trotzdem was anständiges aus der Kantine vertragen. Komm, ich zeig dir mal was wir hier alles zu Essen haben.“
Susans Magen grummelte sein Einverständnis und die beiden gingen gemächlich zu der Essensausgabe.
Erst jetzt fiel Susan auf, in was für einen verwunderliche Halle sie eigentlich geflüchtet war. Auf den ersten Blick sah es nach einer typischen Firmenmensa aus, nur eben mit einigen Tiermenschen als Speisende. Doch was da alles an Essen feil geboten wurde...
Entlang einer langen, schlichten Wand war die Essensausgabe, vor der sich zahlreiche Tische, mal großer, mal kleiner, im Raum verteilten mit erstaunlich viel Grün dazwischen. Große Farne und einige Palmen streckten sich sanft über die Tische und Stühle während das Licht durch die Glasdecke in die Mensa drang.
Unsicher ging Susan die lange Essensausgabe entlang, ein Tablett fest in den Krallen. Irgendwie wusste sie nicht, wie sie auf die ganzen Speißen reagieren sollte... Wäre sie noch ein Mensch gewesen, hätte es ihr den Magen umgedreht, aber jetzt...
Rohe, blutige Rindersteaks, Forellen, Saiblinge und viele andere Fischsorten, frittierte und noch lebende Insekten, die ängstlich aus ihren Plastikgefängnissen zirpten. Tausende Varianten bekannter und unbekannter Gerichte, mal Roh, mal angebraten, Schüsseln voller Beeren, Nüssen, Eiern, verschiedener Sorten von Joghurt, Salate...
Dicht an dicht standen die schwer beladenen Platten und Glasschalen, und eine sah leckerer aus als die andere. Unsicher schnappte Susan sich einen Teller samt Besteckt und ging zu einer Platte, auf der ein paar saftige Rindslebern ihr vertraulich entgegen zwinkerten. Ihr Rabenmagen grollte bei diesem Anblick am lautesten, also lud sie sich ein hungrig ein Stück auf. Prüfend glitt ihr Blick über die weiteren Leckereien, unter denen sie mit einem Lächeln den Weidenkorb voller Eier entdeckte.
…
„Und, wie schmeckt es dir?“
„Wunderbar!“, schwärmte die Rabin und ließ das letzte Stückchen Leber gierig in ihrem dunklen Schnabel verschwinden. Gekonnt ignorierte sie Victors zweifelnden Blick, als sie ein paar Waldbeeren in den Becher mit dem Eigelb und -Dotter dazu gab. Eilig rührte Susan das ganze um, neugierig darauf wie ihr „Eggshake“ wohl schmecken würde.
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