This choice: Der Mann streicht heilende Kräuter auf die Wunde(n) | Go Back Chapter 13: Die geheiligte Tinte (ID #608394) an addition by: yarrek ![View yarrek's Portfolio. [Offline / Private]](http://images.Writing.Com/imgs/writing.com/writers/costumicons/ps-icon-regular-10.gif) More by this author Jan sah erschöpft zu der Gestalt auf. Es war eine alter Mann mit langen grauen Haaren und seine Haut wies schon einige Altersflecken auf. Irgendetwas in den dunkelbraunen Augen des Mannes sagte Jan, dass dieser Mensch nicht hier her gehörte...
Der Alte rieb mit einer kühlen Salbe die schmerzende Schulter des Spaniers ein und sah dann hinter sich, irgendetwas in der fremden Sprache dieser Einheimischen laut sagend. Dann flöste der Mann mit einem Tonkrug Jan noch ein wenig würziges Wasser ein, die ihm Kraft spendete, bis zwei Krieger in Jans Sichtfeld auftauchten.
Der alte Mann wannte sich ab, sah aber vorher dem Spanier noch einmal verzeihend in die Augen und ging dann davon.
Was sollte jetzt das?, fragte sich Jan und bemerkte verwirrt wie die zwei Krieger ihn wieder ankleideten, auf eine Trage legten und davon trugen. Wieder ging es durch den Palast, und sein Kopf wurde langsam immer klarer...
Sie brachten ihn in eine Art Lehmhütte, am Rande eines großen Innenhofs des Plastes, legten die Liege im inneren der Hütte ab und gingen hinaus. Die grob gezimmerte Holztür schloss sich und Jan hörte wie ein Riegel vorgeschoben wurde.
„Wird ja immer besser...“, seufzte Jan. Durch einen schmalen Spalt im flachen Dach drang Licht ins innere der Lehmhütte, und er konnte im Halbdunkel erkennen dass der Boden mit Stroh ausgelegt war und eine Art Holzbank an der Wand stand. Auf der Holzbank saß ein schmächtiger Mann der ihn mit einem fröhlichen Grinsen begrüßte.
„Bonjour Monseigneur!“
Es war ein akzentfreies Französisch, also ein weiterer Europäer der in die Hände der Heiden gefallen ist...
„Ich nehme mal an du bist einer diesen vielen spanischen Abenteurer, oui?“, fragte der Mann, nun in nicht gans so akzentfreiem Spanisch.
„Ja...“, begann Jan mit schwerer Zunge zu reden. „...und wer bist du?“
„Mein Name Jaque de Valette, reisender Händler und Medicus.“
„Jan Karrez, Entdecker und ehemaliger Schreiber am Hofe von Elvaro.“
Seine Augen hatten sich endlich an das Halbdunkel gewöhnt, und Jan sah jetzt den Franzosen genauer. Der trug einen Lederhut mit breiter Krampe, an dem zwei große blaue Federn befestigt waren und ein (vor einiger Zeit weiß gewesenes) Stoffhemd. An dem Gürtel um seine weinrote Hose hingen allerlei größere und kleinere Taschen, und die teuer aussehenden Lederstiefel bewiesen, dass Jaque wohl mit seinen Diensten viel Gold verdiente...
Jan konnte freundliche Züge in dem glattrasiertem Gesicht erkennen, und unter den dichten brauen graublaue Augen, die schelmisch aufzublitzen schienen. Außerdem langes gewelltes dunkelblondes Haar.
„Und wie haben sie dich geschnappt, mein Freund?“, fragte Jaque gelassen und musterte ihn seinesfalls.
„Ich hab mit ein ein paar Kameraden einen ihrer Tempel erkundet, und ihn dabei zum einstürzen gebracht...“
Jaque grinste belustigt und sagte
„Und ich dachte ich hätte es mir mit den Wilden hier verscherzt... Ich habe eine meiner sehr beliebten Heilungspillen an ihren Stammesführer, Häuptling, oder was auch immer der ist verkauft, da er einen kränklichen Eindruck machte...
Allerdings schien der gute so etwas wie eine Allergie gegen meine Medizin zu haben, und wäre fast erstickt. Tja, zu erst wollten sie mich töten, dann haben sie aber beschlossen mich hier einzusperren... Keine Ahnung was die mit mir, beziehungsweise uns, vorhaben...
Vielleicht opfern...“
„Mein Gott, bin ich denn hier der einzige der nicht glaubt dass sie Einheimischen keine Menschenopfer ihren Göttern darbringen?“, stöhnte Jan gelangweilt, worauf der Franzose nur müde mit den Achseln zuckte und verstummte.
Jans Kopf begann wieder unangenehm zu brummen, und so lies er sich seitlich auf die Liege niedersinken. Etwas kleines dass in einer der Innentasche der Weste war, drückte unangenehm in die Rippenseite, auf der er lag.
Neugierig tastete er im Halbdunkel der Hütte seine Weste an der Stelle ab und fühlte etwas kleines und rechteckiges in der Tasche. War das etwas...?
Jan zog glücklich sein Lederbüchlein aus der Tasche. Mein Gott, es ist immer noch bei mir! Zwar stark lediert, aber dennoch... Warum hatten es die Heiden in der Tasche gelassen? Hatten sie es übersehen?... Hatten sie überhaupt seine Sachen durchsucht?
„Was hast du da, mein Freund?“, fragte plötzlich Jaque neugierig und rutschte die Bank entlang etwas näher zu dem jungen Spanier.
„Meine bisherigen Aufzeichnungen meiner Reise...“, antwortete Jan offen und blätterte ein wenig frustriert durch die wenigen beschrifteten Seiten. Es war schwer nur mit dem wenigen Licht genau zu erkennen was er dort geschrieben hatte. „Hätte ich Tinte und Feder könnte ich wenigstens mich mit schreiben ablenken, während wir aus unser Schicksal warten...“
Ob sein Buch die Zeit überdauern würde, falls die Heiden es achtlos in den Dschungel warfen? Würde ein zukünftiger Abenteurer es finden und lesen?
„Nun...“
Jan glaubte irgendetwas in Jaques Augen aufblitzen zu sehen, als der mit freundlichem Lächeln fortsetzte „... wie es der Zufall will hab ich ebenfalls ein paar versteckte Taschen, und in einer ist dies...“
Er kramte ein Weile an seinem Gürtel herum, dann beförderte ein kleines Holzfäßchen von der Größe einer Faust zu Tage. „Und die Feder ist hier.“
Jaque nahm eine der blauen Federn von seinem Hut. Begeistert wollte Jan die beiden Dinge aus der Hand des Franzosen nehmen, doch der schloss schnell seine Hand und zog eine buschige Augenbrau hoch.
„No no, Monseigneur, das hier ist keine normale Tinte. Die ehrwürdigen Sekretäre seiner Heiligkeit des Papstes selbst verwenden sie! Es war dementsprechend schwierig an sie heran zu kommen...“
Der Franzose klimperte mit einer seiner vielen Taschen und sah Jan, der ihn ungläubig anstarrte, zwar immer noch lächelnd, aber auch ein wenig auffordernd an.
„Du... du willst Geld?! Jetzt in dieser Situation?!“
„Du willst in dieser Situation ein Buch schreiben, was auch zweifelhaft ist. Außerdem, nur dreißig bescheidene Münzen...“
„Aber...“
„Gulden, Florine, ich nehme beides.“
„Du bist doch Irre!“
„Willst du die Tinte des Papstes nun oder nicht, mein Freund? Ich bin mir sicher, jeder Mönch in ganz Europa würde sich für dieses Privileg mit ihr zu schreiben den Finger abhacken lassen!“
„Aber was bringt dir denn das Gold wenn die beschließen uns als Sklaven zu verkaufen oder uns zum Vergnügen töten?“, fragte Jan verständnislos.
„Ich bin mir sehr sicher dass wir hier lebend herauskommen.“, sagte Jaque zuversichtlich und mit einem schelmischen Lächeln.
„Wir sollten uns liebes etwas einfallen lassen wie wir hier ausbrechen und meine Freunde retten können...“, murmelte der Spanier kopfschüttelnd.
„Vorbei an den Wachen, durch einen großen fremden Palast streifend und dann auch noch ohne Proviant und Ausrüstung durch den Dschungel?“, fragte Jaque zweifelnd und packte (enttäuscht) die Tinte und die Feder wieder ein.
„Hm...“
Die Zeit verstrich, und durch den Lichtspalt im Dach konnte Jan erkennen, dass die Sonne allmählich unterging. Jaque döste vor sich hin, während er darüber nachdachte wie sie wohl von hier entkommen konnten, mit Matteo und Qualiotzl, sofern die beiden noch lebten...
Plötzlich hatte er einen Geistesblitz.
„Jaque, Jaque, ich habs! Wir wärs wenn wir...“
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