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Monday
May 28, 2012
2:19am EDT


  >> Interactive Story >> Young Adult >> ID #1377084  |   Show DetailsPrinter Friendly Page Tell A Friend
Rated:
18+
Von Rabentöchtern und der neuen Welt...
Drei spannende, fesselnde Geschichten! Wirkt mit oder lest sie einfach :D
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This choice: (Der nächste Arbeitstag) | Go Back

  Chapter 56: Alltag im Labor   (ID #1238080)
    an addition by: yarrek  More by this author

(Ein Kapitel von Terralux!)

Ein leises Summen weckte Susan schließlich aus ihrem tiefen Schlaf. Der Raum war schon hell beleuchtet, doch Nain neben ihr schlief noch. Anscheinend hatten die Wohnanlagen eine automatische Vorrichtung für Licht installiert, jedoch war es immer noch künstliches Licht aus Leuchtstoffröhren. Also nichts, was man am Morgen wirklich sehen wollte.
Schläfrig und etwas unzufrieden legte sie ihren Kopf zurück und nickte einen Augenblick ein, denn das nächste Mal, dass sie die Augen öffnete, sah sie Nain herzhaft gähnen.
„Na, kleines Federknäul, gut geschlafen?“, krächzte er.
Sie kuschelte sich noch ein wenig an ihm, wobei ihre Federn raschelten. Das musste als Antwort reichen. „Manchmal ist es immer noch ungewohnt dich als Fischadler zu sehen.“, erklärte sie dann.
„Geht mir ähnlich bei dir, auch wenn du schon immer irgendwie mein kleines Vögelchen warst.“, antwortete Nain mit einem Grinsen um den Schnabel.
Die Morgenwäsche brachte nichts Spektakuläres, aber doch ein paar Überraschungen, wie einen Kühlschrank, der schon mit den notwendigen Speisen gefüllt war und eine Waschlotion speziell für Federn. Allerdings schien Diese noch nicht ganz ausgereift, denn sie war unangenehm und die Beiden würden sie wohl nicht wieder verwenden.
Endlich wurden sie abgeholt und zum Labor gebracht. In der ersten Zeit wurden sie einigen Sehtests unterzogen, wobei die Entfernungen, in denen Nain Buchstaben erkennen sollte so lächerlich weit weg waren, dass es für normale Menschen schlicht unmöglich war. Nain hingegen hatte kaum Probleme damit, auch wenn sich herausstellte, dass er Bewegungen noch weit besser erkennen konnte.
Susan wurde dafür unter anderem gebeten Geräusche nach zu ahmen, was ihr erstaunlich gut gelang für den Anfang. Aber nach diesen durchaus interessanten Versuchen kam eine kurze Mittagspause und dann endlich der Windkanal. Neugierig betrachteten beide die Röhre mit den großen Ventilatoren.
„Wir können Windgeschwindigkeiten von über 150 Stundenkilometer darin einstellen.“, erklärte der Wissenschaftler, dessen Schild ihn als „Dipl. Ing. Hermann Schmidt“ auszeichnete. Wahrscheinlich eine Fachkraft, die aus dem Ausland angeworben worden war, zumindest dem starken Akzent nach zu urteilen.
Neugierig stiegen beide Vögel hinein. Doch der zylinderartige Bau brachte wenig Überraschendes. Er war karg und in dunklen Farben gehalten.
„Darf ich das mal testen?“, fragte Susan, aber Nain ging dazwischen: „Lass mich erstmal, vielleicht überschätzen sie deine Flugkünste.“
„Achwas, als wenn du so viel besser wärst. Wer ist denn am Anfang in unsere besten Rosen geflattert?“, konterte Susan scherzhaft, doch der Schlag saß.
„Ich bin schon viel besser geworden, außerdem habe ich den Ball jawohl immer wieder gefangen, egal wie tief er fiel.“
„Das sagt eher etwas über deine Fangkünste aus, als über deine Flugfähigkeit.“
„Streitet euch doch nicht, ihr könnt beide gleich hinein. Wir sind eh gespannt auf euer Flugverhalten.“, erklärte Hermann fröhlich.
Mit einem unsanften Stoß an den Brustkorb stieß Susan Nain hinaus und lächelte: „Zeigt mal, was diese Maschine kann.“
Das ließen sich Hermann und seine Assistenten nicht zweimal sagen. Schnell wurde die Einstiegsklappe geschlossen und die Ventilatoren nahmen ihre Arbeit auf. Der leichte Zug wurde bald zu einem lauen Wind, in dem sich Susan ausrichten konnte. Ihre Haare flatterten sanft, während sie sich dem Wind entgegen stellte. Zu lang hatte sie schon auf eine Gelegenheit zum richtigen Flug verzichten müssen. Vielleicht bot diese Maschine ja eine Erlösung?
Bald war der Wind stark genug, dass sie fliegen konnte. Sie hob ab und flatterte erst schnell, was sie etwas zu hoch in Richtung Kanaldecke brachte. Sie korrigierte die Geschwindigkeit und wurde etwas langsamer mit den Schwingen, bis sie merkte, dass sie recht leicht auf dem Strom segeln konnte. Dann kam etwas Nebel, der dem Strom hinzugefügt wurde und Susan ein wenig die Sicht nahm, aber den Forschern wahrscheinlich mehr über die Windströmungen verriet. Ansonsten war ihr ziemlich langweilig. Keine Kurven, die sie fliegen konnte, keine atemberaubende Aussicht, kein wilder Sturzflug, nur langweiliges segeln und flattern immer geradeaus. Auch eingemischte Temperaturunterschiede oder ein paar einfache Seitenwinde konnten ihr kein Gefühl echter Freiheit geben.
Ein wenig enttäuscht verließ sie den Kanal: „Ich zeig dir mal, wie man das macht.“, grinste er sie an, doch ihre Augen sagten ihm schon, dass er auf nicht allzu viel hoffen durfte.
Von außen konnte sie seine anfängliche Freude sehen endlich wieder Luft unter den Schwingen zu haben. Doch die Ernüchterung folgte bei ihm schon fast noch schneller, als bei ihr. Aus Langeweile versuchte er bald ein paar andere Flugstile, die aber nur mehr Kraft kosteten und ihn aus dem Rhythmus brachten, bis er ermahnt wurde, doch „ordentlich“ zu fliegen.
Gleichfalls enttäuscht verließ er schließlich mit leicht zerzaustem Gefieder den Kanal. Ein kurzer Abschied und schon waren sie entlassen für den Tag.
„Was für eine Enttäuschung.“, murmelte Susan schließlich.
„Das ist alles andere als aufregend.“, stimmte Nain sofort ein.
„Ah, ihr seid wohl gerade aus der runden Hölle gekommen, wie?“, fragte eine Möwe, die ihnen entgegen kam. Keiner von Beiden konnte so richtig beurteilen, ob sie aus Schadenfreude oder Mitleid fragte und bevor ihnen eine passende Antwort eingefallen war, war sie auch schon an ihnen vorbei und verschwunden.
„Die runde Hölle…“, begann Susan.
„… wie passend.“, kommentierte Nain und beide seufzten niedergeschlagen.
„Wir könnten im Innenhof etwas fliegen.“, meinte Susan schließlich.
„Ich glaube kaum, dass es mit einem freien Flug vergleichbar ist.“, erklärte Nain.
„Lass es uns dennoch versuchen. Zumindest kann man da Kurven fliegen.“, seufzte Susan.
Der Innenhof war gerade groß genug, dass ein paar Bäume darin wuchsen und eine Wiese mit Parkbänken zum verweilen einluden. Sie konnten einige Anthros sehen, die halbherzig auf den Bäumen turnten, ebenso ausgetretene Pfade anderer Bewohner. Sogar ein paar überdimensionierte Laufräder waren angebracht, schienen den Läufern aber nur wenig Erleichterung ihres Drangs zu bringen. Ein Husky lief mit heraushängender Zunge darin, doch sein Blick war starr und kein Lächeln war auf seinen Lefzen zu finden.
Mit wenigen Flügelschlägen hatten beide den Innenhof durchflogen. Sie waren erschrocken, als sie ohne wirkliche Anstrengung auf einer höher gelegenen Stange, nahe dem Gitter, das als Überdachung diente, angekommen waren.
„Das war doch nicht schon alles, oder?“, fragte Nain verzweifelt.
„Vielleicht, wenn wir in die andere Ecke fliegen?“, antwortete Susan ebenso wenig begeistert.
Doch auch diese Strecke bewältigten sie, bevor auch nur ansatzweise ein Anflug von Flugfreude aufkommen konnte. Sie sahen sich mit verzweifeltem Blick an.
„Was sollen wir denn jetzt machen, wenn wir nicht raus dürfen?“, fragte Susan traurig.
„Holt euch so viel von dem Menschentrank, wie ihr könnt und lauft draußen eine Runde. Das hilft zwar auch nur kurz, aber mehr ist nicht drin.“, erklärte die Möwe, die sie vorhin schon gesehen hatten. „Ich bin übrigens Sam.“
„Warum kann das Institut uns nicht freie Flugflächen geben? Das kann doch nicht alles sein.“, entgegnete Nain aufgebracht.
„He, klagt nicht bei mir darüber. Ihr seid nicht die ersten mit dem Problem. Große Teile der Gegend sind unter Naturschutz, darauf hat das Institut keinen Zugriff. Ein klassischer Fall von Fehlkalkulation und sie können nicht verantworten, dass einer von uns von Leuten gesehen wird, die nicht zu vielen Eingeweihten von Maple Valley gehören.“, erklärte Sam und spreizte seine Flügel, die eine Wand berührten, noch bevor er sie ganz ausgestreckt hatte. „Und ihr dachtet, ihr hättet Probleme.“, seufzte er und sprang dann ab, um sich gen Boden segeln zu lassen.
Nain und Susan sahen sich entsetzt an. Das konnte doch nicht der Ernst der Forscher sein. Dann sahen sie in einer Ecke den deformierten Körper des federlosen Anthrohahns sitzen, den sie bereits einmal gesehen hatten.
„Das ist ja ein halbes Gefängnis hier.“, erklärte Susan niedergeschlagen.
„Ein großer Vogelkäfig und Zoogehege in einem.“, seufzte auch Nain resigniert. „Ich halte das hier nicht aus, lass uns lieber aufs Zimmer gehen. Vielleicht finden wir dort etwas, das uns ablenkt.
Susan stimmte zu und gemeinsam flogen sie zu ihrem Balkon, der direkt an den Innenhof grenzte und nur ein niedriges Geländer hatte. Die Tür konnten sie einfach mit ihren neuen Chipkarten öffnen.
Den Rest des Tages verbrachten sie damit, sich den Katalog mit den vielen kleinen Dingen anzusehen, die sie kaufen konnten. Ledergürtel und Kleidungsstücke, die auch im Flug verwendbar waren, Ringe für Krallen und Pflegemittel für Federn. Als sie jedoch darüber nachdachten machte es keinen Sinn irgendetwas davon zu kaufen. Gürtel und Kleidung zum Fliegen brauchten sie im Institut nicht, da sie eh kaum fliegen konnten. Von dem Pflegemittel für Federn hatten sie schon am Morgen die Schnäbel voll und der Schmuck war nur ein schwacher Trost, der zudem nicht so ganz modisch zu sein schien.
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