This choice: Seinen Traum Matteo zu erzählen. | Go Back Chapter 7: Der Aufbruch und ein Zweifel (ID #541224) an addition by: yarrek ![View yarrek's Portfolio. [Offline / Private]](http://images.Writing.Com/imgs/writing.com/writers/costumicons/ps-icon-regular-10.gif) More by this author „Matteo mein Freund, kennst du dich mit Träumen aus?“, fragte Jan zögernd den Glücksritter. Der sah ihn kurz etwas verwundert an.
„Ein wenig schon... meine Mutter gehört zu den Sindi, hat Bauern wie Adligen Tarrokarten gelegt, ihnen Lebensratschläge gegeben, Träume gedeutet und der gleichen... Ab und zu kam sie mich und meinen Vater besuchen, der ein kleinen Laden in Neapel besaß. Gott hab seine Seele gnädig. Jedenfalls hab ich einiges mitbekommen was manche Leute geträumt haben. Aber Wieso fragst du?“
Jan erzählte ihm von seinem verwirrendem Traum und dem gottverlassenem Hof. Unendlich erleichtert stellte er beim reden fest, dass Matteo ihn nicht für verrückt hielt. Der Italiener hörte aufmerksam zu und unterbrach kein einziges mal. Als Jan schließlich geendet hatte, zog sein Freund eine Braue hoch, nahm einen weiteren Schluck Wein und grübelte vor sich hin.
Nach einer Weile sagte Matteo nachdenklich „Ein seltsamer Traum, keine Frage... Bist du dir sicher das da nicht noch mehr geschehen ist? Bist du mit deinen Flügeln geflogen, oder waren sie mit irgendetwas an dir festgebunden? Hattest du Angst vor diesem... Schlangen- du? War es groß? Ich könnte dich den ganzen Tag mit diesen Fragen löchern.“
Das Letzte sagte er mit einem verschmitzten Lächeln und goss sich darauf wieder etwas Wein in den Zinnbecher. Dann fuhr der Glücksritter fort.
„Das massive Haus könnte alles repräsentieren was dich in Spanien gehalten hat- Familie, Freunde und der gleichen. Sie bieten zwar Schutz, aber schränken dein Wahrnehmungsfeld ein. Die Flügel... Hm... Vielleicht sollen sie dir sagen das du endlich aus deinem Haus raus und in die Ferne fliegen sollst, in eine unbekannte Welt. Mit der Schlange und was sie gesagt kann ich nichts anfangen. Schließlich sieht er hier ja noch nicht wirklich nach dem Paradies aus, was? Noch etwas Wein?“
Matteo hielt den Weinkrug fragend in Jans Richtung. Der nahm den Vorschlag an und goss die dunkelrote Flüssigkeit in den Zinnbecher vor ihm.
„Danke für diese ’Deutung’... und danke das du mich nicht für verrückt hälst.“
Der Italiener winkte aushohlend ab.
„Das war doch nur eine halbherzige Entschlüsselung. Außerdem hat mir meine Mutter schon von weit aus verrückteren Träumen berichtet... Essen das sich gegenseitig ersticht, Weinpokale die laufen und sprechen können, Intrigen gegen den Papst spinnen...“
Jan lachte auf und sah seinen Freund etwas erleichtert an.
„Na dann bin ich ja richtig gut bedient mit meinem Schlangen- Ich!“
Sein Freund grinste breit und sah gedankenverloren zum Eingang der Taverne. Die Tür stand offen, und man konnte den letzten Rest der untergehenden Sonne erkennen.
„Eigentlich sollten wir uns jetzt ein bisschen Schlaf suchen, morgen wird sicher ein harter Tag...“
„Mhmm.“, stimmte Jan zu. Dann sagte eine Weile lang keiner von beiden etwas.
„Trinken wir noch einen?“
„Trinken wir noch einen!“
Ein sägendes Geräusch weckte Jan aus seinem Schlaf. Es dauerte eine Weile bis er seine fünf Sinne zusammen hatte um müde die Augen zu öffnen. Jan spürte den rauen Stoff des Bettlakens auf seinem Gesicht. Ein lautes Schnarchen aus einer Ecke des kleinen schmuddeligen Raumes verriet die Anwesenheit von Matteo. Meine Güte, wie kann man nur so laut schnarchen?, fragte sich Jan, stand auf und gähnte erst einmal herzhaft.
„Willst du mich verschlingen oder warum reißt du dein...en Mund so weit auf?“
Die Stimme kam ihm bekannt vor und er sah zur Zimmertür. Im Türrahmen stand der Söldner mit den schlechten Zähnen den er gestern angeheuert hatte, Pedro Mordranes. Der sah ihn zur Begrüßung breit grinsend an, als wolle er der Welt zeigen in was für einem schlechten Zustand sich seine Zähne befanden. Dann klatschte er zweimal kräftig mit den Händen und sagte dabei
„Zeit aufzustehen, werte Herren! Zeit für große Abenteuer und Taten... und noch größeren Schätzen!“. Das Letzte fügte er mit einem schelmischen Zwinkern hinzu.
Wie lange hat er wohl schon an diesem Satz gearbeitet?, fragte sich Jan belustigt und erwiderte den Gruß mit seiner Rechten.
Nach einem etwas kargem Frühstück und drei langen Stunden in denen Jan und seine Kameraden Sklaven, Proviant, Waffen und sonstige Utensilien gekauft hatten, standen sie nun alle vor dem Stadttor von San Juan de Ulúa. Auf Tomás Rat hin („Mehr Gewehre, mehr Sicherheit!“), hatte Jan noch weitere Söldner angeheuert, die aber allerdings allesamt keine Deserteure waren. Die neun Männer waren allesamt dass, was er bisher versucht hatte zu vermeiden: Abschaum, aber wie die beiden Soldaten, nützlicher Abschaum. Jan wollte nichts weiter mit ihnen zu tun haben, und das schien die angeheuerten Waffenträger nicht zu stören- gut so!
30 Sklaven sollten die Ausrüstung der Abenteurer transportieren. Auch für sie interessierte sich der junge Spanier nicht. Sie sahen eben aus wie Sklaven, nicht wie die „wirklichen“ Ureinwohner. Neben Rapier, zwei Pistolen und einem Dolch hatte Jan sich einen Vorrat an Tinte und Federn in einem kleinem Laden gekauft. Das meiste was man als zukünftiger Entdecker brauchte, hatte er ja schon in seinem Rucksack gehabt, aber noch nichts um etwas auf Papier zu schreiben. Jan wollte unbedingt alles notieren was ihm im Dschungel widerfahren oder begegnen würde. So könnten diese Ereignisse nie in Vergessenheit geraten! So lange diese Feuchtigkeit nicht mein Lederbuch zersetzt, dachte Jan mürrisch und sah noch einmal nach dem kleinen in Leder gewickelten Buch mit den leeren Seiten. Auch das hatte er sich in der Hafenstadt gekauft.
Plötzlich klopfte Matteo ihm auf die Schulter und fragte aufgeregt
„So langsam können wir aufbrechen, oder? Kann's kaum erwarten in den Dschungel zu kommen!“
Jan sah ihn belustigt an.
„Gemach, gemach. Tomás müsste jeden Moment mit unserem Führer auftauchen. Der bringt uns dann zu einem dieser heidnischen Tempel die es hier ja überall gibt. Und wenn es dort nichts gibt, dann durchqueren wir eben den Dschungel. Irgendwo werden wir schon irgendwas finden.“
„Wahrscheinlich einen Hinterhalt...“
„Wer kann es nicht erwarten in den Dschungel zu kommen?“
„Ja ja, schon gut... Ah da kommt ja unser Freund mit dem Führer.“
Jan sah in die gewiesene Richtung. Aus einer Seitenstraße tauchte Tomás mit einem kleinem dunkelbraunem Mann auf. Der Fremde trug so etwas wie eine sehr kurze Fellhose oder so etwas ähnlichem und hatte seltsame Zeichen auf seiner Brust tätowiert. In seinem kurzem schwarzem Haar steckte ein Federschmuck, der Speer in seiner Hand und der entschlossene Blick stellten klar, das dieser jemand sich nicht versklaven lassen würde.
Sein Körperbau, wie er ging und um sich sah... alles war irgendwie fremd, auf jeden Fall war das hier ein Ureinwohner! Außer einem langen ebenfalls Fellmantel und dieser seltsamen Hose trug er nichts, was ein paar der Europäer in seiner Umgebung
Bald hatte Tomás und sein Begleiter Jan und Matteo erreicht. Mit gönnerhaften und fröhlichem Ton stellte der Söldner den Fremden vor.
„Also liebe Freunde und Mitstreiter. Das hier ist der große Krieger und Spurenleser... ääh... Koaliotzef oder so ähnlich.“
„Mein Name ist Qualiotzl.“
Die Stimme des Ureinwohners klang kräftig, bestimmt und ruhig. Sein gebrochenes Spanisch hatte einen seltsamen Dialekt und seine Augen schienen die ganze Zeit die Umgebug um sich zu mustern.
„Sprichst du noch mehr Spanisch?“, fragte Jan interessiert.
Tomás antwortete für den etwas fragend blickenden Ureinwohner. „Nein, leider nicht... oder zumindest glaub ich das...“
Matteo hatte bisher geschwiegen, und nach dem sich er und Jan Qualiotzl vorgestellt hatten, sagte er gedämpft zu seinem Freund
„Ich weis nicht... irgendwie ist mir nicht wohl wenn ich daran denke, das dieser Kua...Qua... wie auch immer uns durch diese grüne Hölle führen soll. Irgendetwas ist... irgendwie so hinterlistig an ihm...“
„Ach was, das bildest du dir nur ein... Auf jeden Fall ist er ehrlicher ehrlicher als die Söldner hier.“
Matteo schien nicht mit dieser Antwort zufrieden zu sein. Doch er behielt seine weiteren Zweifel für sich und fragte Jan
„Wann ziehen wir also in den Dschungel?“
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