This choice: Nach einiger Zeit ist für Steffen Zeit zu gehen - vorerst zumindest... | Go Back Chapter 22: Gesinnungswechsel? (ID #866227) an addition by: yarrek ![View yarrek's Portfolio. [Offline / Private]](http://images.Writing.Com/imgs/writing.com/writers/costumicons/ps-icon-regular-10.gif) More by this author (Ein Kapitel von terralux)
Steffen genoss die Umarmung sichtlich, sein Schwanz wedelte unaufhörlich, während Lena sich so nah an ihn schmiegte. Obwohl sie sich erst seit gestern kannten hatten sie schon eine Entführung, ein Reporterduo und eine Tante überlebt und das alles gemeinsam. Vielleicht waren die ganzen Unwägbarkeiten ja Schicksal?
Vorsichtig wagte Steffen einen blick auf die Uhr. Es war bereits Elf. In sechs Stunden würden sie schon wieder in der Bar erwartet werden. Siedend heiß fiel Steffen seine WG ein. Er war dran mit Saubermachen und neue Sachen zum Anziehen waren auch notwendig, seine alten rochen noch immer nach Zigaretten. Seine feine Wolfsnase erkannte, dass wohl kein Weg um eine Dusche herumführte, aber die Haare wollte er Lena nun wirklich nicht antun.
„Du, Lena?“, begann er zaghaft.
„Ja?“, kam es ebenso zurück. Im Grunde wussten beide worauf das Gespräch hinauslaufen würde, aber keiner von beiden war so wirklich glücklich damit.
„Ich glaube, ich muss so langsam in meine WG zurück. Die werden mich schon sehnsüchtig erwarten…“
„Du bist halt beliebt, wie?“, fragte sie lächelnd.
„Ich bin mit Saubermachen dran.“, erklärte der Wolf leicht gequält.
„Wie schade…“, meinte sie mit einem kurzen Seufzer.
„Ja, aber wir sehen uns ja heute Abend wieder. Wenn du willst hole ich dich ab.“
„Gerne. Pass auf dich auf.“
Sie entließen sich aus der Umarmung und Steffen begann seine Sachen einzusammeln. Besonders viele waren es ja nicht, aber er sollte sie wohl besser bald waschen.
„Gibst du mir deine Handynummer?“, fragte Lena unvermittelt. „Dann kann ich anrufen, wenn was ist.“
Steffen nickte und sie tauschten die Nummern schnell aus. Es war ein gutes Gefühl jemanden vertrauen zu können, außerdem war Lena ihm so wohl immer nahe… auf eine gewisse Art zumindest.
Einmal umarmten sie sich noch zum Abschied, aber dann ging Steffen tatsächlich und ließ Lena allein zurück.
Er machte sich natürlich Gedanken. Was würde Annegret wohl alles noch tun gegen ihre Freundschaft? Konnten sie überhaupt eine tiefe Freundschaft halten? In Gedanken versunken fanden seine Läufe den Weg zu seiner WG ohne groß nachzudenken. Er achtete nicht auf den Lärm der Stadt, der allgegenwärtig um ihn pfiff und auch nicht auf die starrenden Blicke. Vielmehr hatte er sich selbst in seiner Gedankenwelt eingeschlossen.
Ein Zerren an seinem Arm war dann aber doch irgendwie ungewöhnlich. Also blickte er vom Boden hoch und sah sich den Störenfried an.
„Herbert?“, entfuhr es ihm und er war selbst überrascht, dass er den Namen von dem Reporter nicht vergessen hatte. Aber ein Interview wollte er ihm dennoch nicht geben.
„Tut mir Leid, wenn du Infos…“
„So ein Quatsch, vergiss es, du musst schnell weg hier! Sie kommen gleich!“, fuhr Herbert von der „Menschlichen Sicht“ dazwischen.
„Was? Wer kommt?“, fragte Steffen verwirrt.
In Herberts Mine kämpften kurz der Fluchtinstinkt mit dem Helferinstinkt, ehe er antwortete: „Ein wütender Aufmarsch und der wird dir nicht gefallen. Komm schnell ein paar Gassen weiter, da kann ich dir das erklären.“
„Von einem Aufmarsch weiß ich aber gar nichts, was soll das werden? Willst du mich nur gesondert befragen können?“
Die Mine des Menschen verfinsterte sich kurz, als hätte Steffen eine völlig falsche Meinung von ihm. Aber ehe er etwas erwidern konnte scholl ein aggressiver Pfiff über die Straßen. Steffens Ohren richteten sich aus und tatsächlich schien eine ganze Welle von Lärm aus einer bestimmten Richtung zu kommen. Es gefiel ihm nicht, aber Herbert schien in diesem Fall vielleicht tatsächlich auf seiner Seite zu stehen. Oder wollte er ihn in eine Falle locken? Und wenn schon, der Mann sah nicht kräftig genug aus ihn zu überwältigen, außerdem war er sicher schneller.
„Na gut, gehen wir.“, erklärte er, aber etwas in seiner Stimme wies darauf hin, dass er vorsichtig bleiben würde. Noch während sie durch die Straßen gingen klingelte Steffens Handy. Nervös fischte er es aus der Hosentasche und nahm ab.
„Hi Lena, was…“
Weiter kam er nicht, da schoss Lena schon los: „Steffen! Ich habe gerade den Fernseher angemacht, du solltest unbedingt die Innenstadt meiden! Da ist ein Aufmarsch von Leuten, die gegen Tiermenschen demonstrieren und bestimmt ist Annegret da auch irgendwo nach heute morgen. Und meine Güte, ich glaube die sehen in fast aggressiver Stimmung aus. Bleib da bloß weg, komm wieder zu mir, wenn es keinen sicheren Weg zu deiner WG gibt…“
Beschwichtigend unterbrach Steffen den Redefluss: „Keine Sorge, Lena. Herbert hat mich gerade gewarnt, wir sind dabei dem aus dem Wege zu gehen. Woher…“
„… Nachrichten!“, fuhr Lena wiederum dazwischen. „Herbert, dieser Reporter von heute morgen? Ich dachte der wäre von der Anti- Tiermensch Seite. Sei ja vorsichtig, Steffen. Wer weiß, was der vorhat?“
„Mach dir keine Sorgen, Lena, ich kann auf mich aufpassen.“, versicherte ihr Steffen.
Durch den Hörer vernahm er, wie Lena sich setzte und dabei wohl ein Blatt Papier wieder aufnahm.
„Na gut, das will ich hoffen…“, meinte sie. „Dann… ruf mich an, wenn du in deiner WG bist, ja?“
„Ist gut und danke dir.“
„Bis dann.“
Steffen legte wieder auf, verstaute das Handy und sah Herbert aufmerksam an. „Was soll das alles?“, fragte er, ohne auf eine bestimmte Antwort zu hoffen.
„Ganz einfach, die Leute, die keine Tiermenschen mögen, sich vor euch fürchten oder euch sogar den Status eines ‚menschähnlichen’ Wesens aberkennen wollen haben sich zusammengeschlossen und laufen mit Gesichtern wie ein aufziehender Sturm durch die Straßen. Wenn die auf einen wie dich stoßen gibt’s Krawall, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“
„Das gefällt mir zwar nicht, aber das kann ich verstehen. Meine Frage ist: Warum hilfst DU mir?“, fragte Steffen, der immer noch auf der Hut war.
Herbert seufzte. „Das kann ich dir vielleicht später sagen, derzeit sagen wir einfach mal, ich will nicht, dass das Gesicht des Titelblatts für die ‚Menschliche Stimme’ aufgespießt durch die Straßen getragen wird. Das kommt nicht wirklich gut.“, erklärte er möglichst ruhig.
Steffen erkannte, dass es nicht die ganze Wahrheit war, doch was sollte er tun? Er überlegte kurz den Mann einfach an die Wand zu drücken und die Wahrheit aus ihn heraus zu prügeln, ließ den Gedanken jedoch schnell fallen. Seinen Retter sollte niemand so behandeln… Wenn er genauer nachdachte musste er innerlich über seine Brutalität schaudern.
„Findest du jetzt selbst einen Weg zu deiner Wohnung? Ich habe noch etwas anderes zu erledigen.“, sagte Herbert ein wenig ungeduldig.
„Ja, das schaffe ich schon…“, meinte Steffen. „Und… Danke.“
„Keine Ursache, wir werden uns wieder sehen.“, erklärte Herbert und ging.
Steffen machte sich ebenfalls auf den Weg. Erst einige Minuten später merkte er, dass Herbert mit Sicherheit davon ausging, dass sie sich wieder sehen würden. Also irgendwie war der Mann Steffen unheimlich. Was wollte er? Was waren seine Absichten?
Seufzend ließ er seine Grübeleien los. Es hatte keinen Sinn darüber zu spekulieren. Zumindest jetzt noch nicht. Er musste zu seiner sicheren WG kommen und das so schnell wie möglich.
Schnell dachte er nach. Steffen könnte über die größeren Straßen schnell bei zu Hause sein, allerdings mit der Gefahr der wütenden Meute in die offenen Arme zu rennen. Oder er nahm den längeren Weg über die vielen kleinen Gassen, wo zumindest keine geballte Menschenmauer im Weg stehen würde. Where will this story go next? Your choices are below...
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